BOMBULLA ... und ich!

Hamburg, letzter Tag: Heute will ich endlich den ..Großen Bombulla" besuchen, den Mann, von dem man sich erzählt, er habe schon Tote zum Leben erweckt und umgekehrt. Ein Mann, ohne jegliche Bildung, der dennoch über höchste Weisheit verfügt. Ein Mann, ohne Ehefrau, der dennoch nie alleine schlafen muß. Leider weiß ich nicht, wo er wohnt, daher frage ich den erstbesten Blockflöter mit Hund. ..Du kannst ihn nicht finden, er findet Dich", raunt der mir geheimnisvoll zu,"Aber es schadet auch nicht, wenn Du Dich Richtung St. Pauli hälst." Wenig später laufe ich über die berühmte Reeperbahn. Mir fällt auf, dass die Frauen hier sehr viel freier im Umgang mit dem anderen Geschlecht sind. Mehrmals wird mir sogar richtiger Verkehr angeboten, den ich allerdings erstmal dankend ablehne. Dieser zur Schau gestellter Geschlechtstrieb ist mir suspekt: Vielleicht bin ich altmodisch, aber Sexualität ist für mich etwas, das man mit sich selber ausmachen muß. Wie ich so sinnierend durch die Straßen streiche fällt mir erst gar nicht auf, dass überhaupt keine Menschen mehr zu sehen sind. Und plötzlich sind auch die Häuser verschwunden, es ist, als ob sich alles um mich herum auflöst. Langsam werde ich nervös, das scheint mir doch recht sonderbar zu sein, zumal sich auch der Boden mittlerweile verabschiedet hat mit einem meckernden Lachen. Ich schließe die Augen, eine Ersatzhandlung, denn das Lachen wird immer lauter: He He! Ho Ho!! Har Har!!! ---- Plötzlich Stille. Ich öffne die Augen. Der Raum ist weiß, ganz weiß. Weiße Wände, weißer Boden, weiße Decke. Ich blinzele. Ein Tisch steht da und ein Stuhl, beide sind durchsichtig und können daher auch keine farblichen Akzente setzen. Auf dem Stuhl sitzt ein Mann von sonderbarer Gestalt: Weder groß, noch klein. Nicht dick, oder dünn. Der Große Bombulla! Keine Kategorie scheint Anwendung zu finden auf diesen Mann, der mich unablässig anschaut mit einem Lächeln, das mich erröten lässt. ..Wie gefällt Dir mein Hut?" Ich bin unsicher, einerseits möchte ich nicht unhöflich sein, aber andererseits hat er gar keinen Hut auf. Ein Trick vielleicht. ..Besser als der meiner Tante!" erwidere ich. Er grunzt. ..Du bist nicht dumm, zumindest nicht so, wie die Leute sagen- Was führt Dich zu mir, hübscher Knabe?" Lüstern fährt er sich mit seiner Zunge durch seinen langen Bart und etwas heraus, das er genüsslich zwischen seinen Zähnen verschwinden lässt. Eine unangenehme Situation für mich. Der Große Bombulla will sich mit feiner Erotik meines Geistes bemächtigen, aber ich muß doch heute Abend singend meine Fans erzücken, keine Zeit für Lustspiele, der Herr! Ich haue ab, nur wohin? Bombullas Zunge gleitet auf mich zu, glitschiger Belag dampft mir entgegen: ..Komm! Komm! Komm!" Erneut schließe ich die Augen, ein guter Schachzug, denn augenblicklich befinde ich mich zurück auf der Straße, jetzt sind auch die Leute wieder da. Normalerweise verachte ich sie, aber jetzt könnte ich sie grüßen, so emotional bin ich. Was nur ist da eben passiert, ein Spiel meiner Fantasie? Oder handelt es sich um eine Art Nebenrealität, in der es sich Bombulla gemütlich gemacht hat? Eine wissenschaftliche Überprüfung täte Not, doch verändert nicht der Beobachter beim Beobachten das beobachtete Objekt? (Heidegger) Nicht wenn er vorsichtig ist und Handschuhe trägt, meine ich. Mal sehen, was wird. Bis Dahin, Euer Tom

18.10.07 18:32

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